Seit dem 1. November 2025 greifen neue Vertragsregelungen und bedrohen Beleghebammen, während die Landesregierung weder Zahlen noch Folgen kennt. Zu den Antworten der Landesregierung auf eine entsprechende Kleine Anfrage erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der AfD, Thomas de Jesus Fernandes:
„Während Hebammen, Kliniken und Fachverbände bundesweit eindringlich vor wirtschaftlichen Verwerfungen für 18.687 freiberufliche Hebammen und vor strukturellen Risiken in der Geburtshilfe warnen, behauptet die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns allen Ernstes, es bestehe kein Handlungsbedarf. Das ist Verantwortungslosigkeit in einem zentralen Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Rot-Rot räumt ein, nicht zu wissen, wie viele Beleghebammen im Land tätig sind, wo sie arbeiten oder wie viele Geburten sie betreuen. Gleichzeitig wird aber erklärt, es gebe keine Hinweise auf eine Gefährdung der Versorgung. Entwarnung ohne Datengrundlage ist keine fachliche Einschätzung, sondern klingt nach Selbstentlastung.
Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern mit landesweit rund 9.157 Geburten – davon 145 außerklinisch – tragen neun Hausgeburtshebammen und eine einzige hebammengeleitete Einrichtung diese Versorgung. Die geburtshilfliche Infrastruktur ist verletzlich und auf jede einzelne Beleghebamme angewiesen. Zugleich bestätigt die Landesregierung selbst, dass infolge des neuen Hebammenhilfevertrags mit spürbaren Erlöseinbußen zu rechnen ist. Dabei entscheiden wirtschaftliche Rahmenbedingungen über Verbleib oder Rückzug aus der Versorgung.
Völlig ausgeblendet bleiben zudem die seit Jahren wachsenden Belastungen durch Bürokratie, Dokumentationspflichten und hohe finanzielle Vorleistungen, insbesondere bei der Berufshaftpflichtversicherung. Der neue Vertrag verschärft die sowieso schon angespannte Lage der Berufsgruppe.
Statt politischer Gestaltung erleben wir eine konsequente Verantwortungsverschiebung: Die Vergütung wird an die Selbstverwaltung delegiert, die Kliniken sollen Lösungen organisieren, die Hebammen sich anpassen. Sozialministerin Drese macht sich zum Zuschauer eines Prozesses, dessen Folgen er nicht einmal erfassen will.“