Bei den gewaltsamen Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik Thüringens von insgesamt 94 registrierten Straftaten lediglich zwölf dem Phänomenbereich Links zugeordnet. Selbst der Angriff auf einen Journalisten der Jungen Freiheit wurde nicht als linksmotivierte Straftat erfasst. Auch in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die Frage nach der statistischen Einordnung politischer Gewalt. Beim „Tag der Deutschen Jugend“ am 1. August in Schwerin kam es im Umfeld der Gegenproteste zu Auseinandersetzungen. Laut Polizeibericht wurde gegen drei Tatverdächtige wegen Körperverletzung ermittelt. Zudem registrierte die Polizei mehrere Sachbeschädigungen. Vor dem Hintergrund der bundesweit angekündigten Bildungsproteste am 31. Oktober befürchten Sicherheitsbehörden eine Unterwanderung durch Linksextremisten. Dazu erklärt der fachpolitische Sprecher für Linksextremismus der AfD-Fraktion, Tommy Thormann:
„Bei rechten Propagandadelikten reichen bereits entsprechende Anhaltspunkte für eine politische Zuordnung. Doch wenn ein Journalist im Umfeld linker Proteste angegriffen wird, soll das plötzlich keine linke Straftat sein? Wer rechts jeden Verdacht erfasst, bei linker Gewalt aber unterschiedliche Maßstäbe anlegt, macht sich unglaubwürdig.
Die Vorgänge in Erfurt werfen auch Fragen für Mecklenburg-Vorpommern auf. Wir haben die Bilder aus Schwerin noch vor Augen, als es am Rande der Gegenproteste gegen den ‚Tag der Deutschen Jugend‘ zu Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen kam. Und im Zuge der Landtagswahl am 20. September wurden in der Schweriner Innenstadt beispielsweise massenhaft Laternen mit linken Aufklebern verschandelt. Wie wurden diese Taten statistisch eingeordnet und: Wurden diese überhaupt erfasst? Auch für die angekündigten Bildungsproteste am kommenden Samstag steht zu befürchten, dass linksextreme Trittbrettfahrer in Mecklenburg-Vorpommern für Gewalt und Sachbeschädigung verantwortlich werden.
Die Zahlen des Landeskriminalamtes zeigen, dass linksmotivierte Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern 2025 auf 392 Fälle angestiegen sind. Weitere 637 politisch motivierte Straftaten wurden dem Bereich der sonstigen Zuordnung zugerechnet. Daraus lässt sich zwar nicht automatisch auf eine falsche Einstufung schließen. Umso wichtiger ist aber, dass die Kriterien der Zuordnung transparent und nachvollziehbar sind. Auch muss nachvollziehbar sein, weshalb einzelne Straftaten möglicherweise nicht als linksmotiviert eingestuft wurden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass rechte Kriminalität konsequent gezählt, linke Gewalt dagegen statistisch kleingerechnet wird. Eine Kriminalitätsstatistik darf kein politisches Wunschbild zeichnen, sondern muss die Realität abbilden. Wer politisch motivierte Kriminalität ernsthaft bekämpfen will, muss bei linker und rechter Gewalt dieselben Maßstäbe anlegen.“