Nach einem Antrag des GKV-Spitzenverbandes im Bewertungsausschuss sollen psychotherapeutische Leistungen pauschal um zehn Prozent abgewertet werden. Die Entscheidung soll bereits am 11. März fallen und zum 1. April 2026 in Kraft treten.
Dazu erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern, Thomas de Jesus Fernandes:
„Was uns als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung verkauft wird, ist in Wahrheit kein Haushaltsmanagement, sondern ein Frontalangriff auf die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene warten monatelang auf Hilfe und die Antwort der Kassen lautet: kürzen statt handeln. Während der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig ansteigt, sollen ausgerechnet die Leistungen gekürzt werden, die für Hunderttausende Menschen überlebenswichtig sind.
Die Realität ist eindeutig und bedrückend: In Deutschland haben rund 40 Prozent der Patienten die Diagnose einer psychischen Störung. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Anteil bei etwa 20 Prozent. Psychische Erkrankungen sind somit längst kein Randphänomen mehr!
In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf ein psychotherapeutisches Erstgespräch rund 15 Wochen. Bis zum Beginn einer regulären Therapie vergehen viele weitere Monate. Monate des Wartens trotz akuter Erkrankung sind für Betroffene längst ein trauriger Normalzustand. Und genau in dieser Situation sollen Therapeuten mit Honorarkürzungen abgestraft werden.
Besonders perfide ist, dass man öffentlich beschönigend von einer ‚Überprüfung‘ der Bewertungen spricht. Tatsächlich fordern die Krankenkassen intern eine pauschale Absenkung um zehn Prozent für nahezu alle psychotherapeutischen Leistungen. Keine Bedarfsanalyse, keine Qualitätsdebatte, keine Versorgungsstrategie – stattdessen viel Rotstift.
Das ist gesundheitspolitischer Zynismus. Während Inflation, Personalkosten und Praxisausgaben explodiert sind, sollen Psychotherapeuten aus eigener Tasche ausgleichen? Wer so handelt will die ambulante Versorgung schwächen oder offensichtlich in die Privatmedizin drängen. Eine ehrliche Debatte über Bedarf, Qualität oder Versorgung findet nicht statt.
Das ist ein besorgniserregendes und fatales Signal an die Therapeuten und wird die Zwei-Klassen-Medizin verschärfen.“