1.158 Patienten kieferorthopädisch durch Zahnärzte ohne Fachzahnarzttitel behandelt: Kieferorthopädie darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion bestätigt die erheblichen Risiken des geplanten Fachzahnarztvorbehalts im Referentenentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Allein im ersten Quartal 2026 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 1.158 Patienten kieferorthopädisch durch Zahnärzte ohne Fachzahnarzttitel behandelt. Im Jahr 2025 entfielen insgesamt 4.247 Behandlungsfälle auf diese Praxen. Besonders in den Flächenlandkreisen Vorpommern-Greifswald, Mecklenburgische Seenplatte, Landkreis Rostock und Vorpommern-Rügen sind diese Behandler ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Versorgung. Dazu erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion Thomas de Jesus Fernandes:

„Tausende junge Patienten in Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit von erfahrenen Zahnärzten versorgt, die zwar keinen Fachzahnarzttitel für Kieferorthopädie tragen, ihre Arbeit aber seit Jahren erfolgreich und beanstandungsfrei leisten. Offenbar zählt praktische Erfahrung heute jedoch weniger als die richtige Urkunde an der Bürowand. Das mag in ministeriellen Schaubildern funktionieren, in der Realität der ländlichen Räume tut es das nicht.

Die Kritik kommt längst nicht mehr nur aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer warnen vor einer ‚tiefgreifenden Gefährdung der Versorgung‘ und sehen bundesweit mehr als 920.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Auch die ostdeutschen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und Zahnärztekammern schlagen Alarm. Wenn jedoch Verbände, Kammern und Praktiker geschlossen warnen, scheint das für die politische Führung vor allem ein weiterer Anlass zu sein, die Ohren fest zu verschließen.

Besonders bitter ist die Botschaft an die Familien im ländlichen Raum: Wer künftig eine kieferorthopädische Behandlung benötigt, darf sich auf weitere Wege, längere Wartezeiten und weniger Angebote einstellen. Ausgerechnet dort, wo die medizinische Versorgung ohnehin unter Druck steht, schafft die Politik neue Hürden. Das nennt man dann vermutlich Fortschritt.

Wenn am Ende der Zustand der Zähne eines Kindes wiedererkennen lässt, ob seine Eltern mobil, wohlhabend oder in der Nähe eines Ballungsraums leben, dann ist das kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen. Der Staat hat die Aufgabe, gleiche Chancen zu schaffen – nicht neue Barrieren zu errichten. Wir fordern deshalb, den geplanten Fachzahnarztvorbehalt ersatzlos aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Kinder brauchen eine gute Versorgung vor Ort und keine weitere Demonstration dafür, wie man funktionierende Strukturen aus ideologischer Prinzipienreiterei oder bürokratischem Eifer heraus zerstört.“

AfD-Fraktion MV

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