Zur heutigen Anhörung des VDB-Physiotherapieverbandes Landesverband M-V e.V. und des Verbandes für Physiotherapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) e.V. im Sozialausschuss des Landtages erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Thomas de Jesus Fernandes:
„Die Politik verwaltet den Fachkräftemangel auch in der Physiotherapie inzwischen mit bemerkenswerter Konsequenz.
Ausgebildet wird noch immer auf Grundlage eines Berufsgesetzes von 1994. Offenbar geht man davon aus, dass sich seit Helmut Kohl weder die Medizin noch die Lebensrealität verändert haben. Wer die dreijährige Ausbildung dennoch durchhält, darf anschließend weiterzahlen: Zahlreiche Zusatzqualifikationen sind nötig, um überhaupt alle Leistungen anbieten und abrechnen zu können. Die Kosten bewegen sich inzwischen in der Größenordnung einer Kleinwagenfinanzierung. Willkommen im Gesundheitswesen! Erst drei Jahre Ausbildung, danach noch einmal teuer nachqualifizieren, damit man endlich arbeiten darf. Und schon während der Ausbildung stellen einige Auszubildende fest, dass zwischen Lehrbuch und Berufsalltag Welten liegen und brechen ab. Das überrascht dann dieselben Verantwortlichen, die seit Jahren über Fachkräftemangel klagen.
Auch ausländische Fachkräfte erleben schnell, was deutsche Verwaltungskunst bedeutet. Anerkennungsverfahren scheitern regelmäßig an fehlender Digitalisierung, monatelangem Schneckentempo und einer Verwaltung, die Bewerber eher entmutigt als unterstützt. Während andere Länder dringend benötigte Fachkräfte begrüßen, schafft Deutschland es, sie mit Papierbergen und Warteschleifen zuverlässig wieder loszuwerden. Besonders aufschlussreich war das Verhalten der Regierungsfraktionen im Land: Routiniert zeigt man mit dem Finger nach Berlin! Das ist bemerkenswert, denn in Schwerin wie in Berlin regiert die SPD. Erst im Landtag die Öffentlichkeit verhindern und anschließend so tun, als kämen alle Probleme aus einer fernen Hauptstadt, mit der man zufällig nichts zu tun hat. Diese Form politischer Selbstentlastung ist zumindest kreativ.
Unsere Forderung ist klar: Die Ausbildung muss auskömmlich gestaltet und die gesetzlichen Grundlagen grundlegend modernisiert werden. Statt Vorschriften aus den 1990er Jahren braucht es eine moderne, lernfeld- und kompetenzorientierte Ausbildung, die sich an der Realität orientiert. Kaum ein anderes Berufsbild ist für Prävention – auch von Folgekosten für das Gesundheitssystem – so entscheidend wie die Physiotherapie. Wer hier nicht optimal ausbildet, spart und verschleppt, produziert die noch höheren Kosten von morgen.“